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Mahabharata - der Film von Regisseur Peter Brook
In unserer Arbeitswoche im Juli 26 sahen wir die 6 stündige Verfilmung des großen indischen Epos (Gedicht) Mahabharta (ca. 5. Jahrhundert v. Chr.) gemeinsam an.
Der Regisseur des Mahabharata Peter Brook (1925-2022) war lange Zeit bis zu seinem Tod in der Gurdjieff-Arbeit. Vor ca. 30 Jahren war er sogar einmal bei unserer Gruppe zu Besuch.
1985 wurde das 9stündige Theaterstück Mahabharata nach 11 Jahren intensiver Vorarbeit unter der Regie von P. Brook beim Festival in Avignon uraufgeführt. 1989 entstanden daraus ein 6stündiger Kinofilm und eine Fernsehserie. Brook arbeitete von Anfang an eng mit dem Drehbuchautor Jean-Claude Carriere zusammen, der 1989 auch sein Buch “Mahabharata - Roman” (in deutsch 1990) veröffentlichte.
“Maha” bedeutet im Sanskrit “groß, allumfassend”, “Bharata” ist der Name einer Familie, heißt im erweiterten Sinn “Hindu” und noch weiter gefasst “der Mensch”. Es geht also um “Die große Geschichte der Menschheit”. Und gleichzeitig um jeden einzelnen von uns.
Dieses große Epos wird vom alten, weisen Mann Vyasa erzählt. Götter, Menschen, Ungeheuer und Halbgötter kommen darin vor. Es handelt von einer Familienfehde und schließlich dem furchtbaren Kampf um das Königreich, um die Herrschaft über die Welt. Die Haupthandlung spricht davon, dass wir in einer Zeit der Zerstörung leben. Kann diese Zerstörung verhindert werden?
Vyasa, der die Geschichte in seinem Kopf hat, erzählt sie einem Kind - dem Kind in uns? -, das die Geschehnisse als Beobachter miterlebt. In seine Hände wird am Ende der Fortbestand der Menschheit gelegt.
Ganesha, der u.a. auch Gott der Schriftsteller ist, schreibt die Geschichte auf, weil das Kind nicht schreiben kann.
Mehr oder weniger ausführliche Inhaltsangaben zum Mahabharata sind im Internet zu finden, deshalb brauche ich nicht im einzelnen darauf einzugehen.
Der Film ist in 3 Teile unterteilt: Das Würfelspiel, die Verbannung, die Rückkehr.
Der berühmteste Teil des Mahabharata ist die Bhagavad Gita.
Mein persönliches Interesse an Mahabharata ist entstanden, als ich in der Bhagavad Gita las, wie Arjuna, kurz vor Beginn des Krieges, zwischen den 2 Heeren stand und nicht kämpfen wollte. Denn Verwandte, Freunde, geachtete Lehrer von ihm wollten oder mussten aus verschiedenen Gründen im gegnerischen Heer kämpfen.
Wozu kämpfen? Das war auch meine innere Frage. Ich spürte: Ich will nicht kämpfen. Und wer sind meine (inneren) Feinde?
Gandhis Aussage über die Gita: “In der Erscheinung des physischen Kampfes beschrieb die Gita den ewig dauernden Widerstreit in den Herzen der Menschheit...”
Andere sagen: Das eigentliche Schlachtfeld ist der Geist des Menschen.
Was im Laufe der Geschichte auch noch klar wird: Die Guten sind nicht nur gut, die Bösen nicht nur böse.
Im Folgenden einige Zitate aus dem Buch Mahabharata von Jean-Claude Carriere, die mich beeindruckt haben:
Satyavati (Mutter von Vyasa): “Madri (die 2. Frau von Pandu) hat sich ins Feuer geworfen (nach dem Tod von Pandu). Ich, ich bin alt, voller Trauer, und ich frage mich: welchen Sinn ergibt dieser Tod?”
Vyasa: “Die Erde hat ihre Jugend, die wie ein glücklicher Traum vorübergegangen ist, verloren. Nun bringt jeder Tag uns dem Verdorren, der Zerstörung näher.”
“Mein Sohn, welch schrecklichen Kampf kündigst du damit an?”
“Einen allumfassenden und unbarmherzigen, vom Verstand her unannehmbaren Kampf. Die Helden werden sterben, ohne zu wissen warum.
“Wer wird als Sieger hervorgehen?”
“Das weiß ich nicht, denn alles hängt von den Herzen der Menschen ab, und über die bin ich mir nicht genau im Klaren.” (S. 53)
Drona (Lehrer sowohl der Pandavas als auch der Kauravas): “Das einzig Unwiderstehliche, das mir bekannt ist, ist das Schicksal.” (S. 64)
Krishna: “Die Zerstörung sieht man nicht mit erhobenen Waffen auf sich zukommen. Sie kommt schleichend, indem sie uns glauben lasst, das Schlechte sei gut und das Gute sei schlecht.” (S.72)
Krishna: “Widerstehe dem, was in dir selbst widersteht. Werde du selbst.” (S. 73)
Gandhari (Frau des blinden Königs Dritharashtra): “Und wenn man seine eigenen Kinder den Kindern der andern vorzieht, ist der Krieg nahe.” (S. 77)
Nakula (einer der beiden Pandava-Zwillinge): “Der Bauer durchfurcht die Erde mit seinem Pflug, dann sät er. Danach wartet er, mit gekreuzten Armen. Die Ernte kommt aus den Wolken. Wenn der Regen ausbleibt, wird er sich keine Vorwürfe machen, sondern sagen: Ich habe gearbeitet wie alle anderen. Doch der Regen ist nicht gekommen, was nicht meine Schuld ist. Wenn er aber nicht gearbeitet, nicht gesät hätte, welche Ernte könnte er dann erwarten?” (S. 113)
Kind zu Vyasa: “Wenn du Verbrechen verbieten kannst, könntest du doch auch den Krieg verhindern?” ...
Vyasa: “Es gibt Handlungen, die das Wort verhindern kann, und wieder andere, die durch nichts verhindert werden können.” (S. 133)
Fragen des Teichs: “Was ist Verrückheit?”
Antwort von Yudhisthira: “Ein vergessener Weg.”
“Und welches ist das große Wunder?”
“Dass um uns herum der Tod jeden Tag zuschlägt und wir dennoch weiterleben, als würden wir ewig existieren. Das ist das große Wunder.” (S. 150)
Kind: “Vyasa, warum schreibst du dieses Gedicht?”
“Um den Dharma in den Herzen der Menschen festzuschreiben.”
“Wird dir das gelingen?”
“Es wird lange dauern und schwierig werden. Es wird sogar gefährlich sein. Aber die ganze Erde hört mein Gedicht. Sie fragt sich: Wird er eine Möglichkeit finden, mir zu helfen?” (S. 152)
Krishna: “Tief in mir erkenne ich einen See voll schwarzen Wassers. Oft höre ich abends Rufe, Schmerzensschreie.”
Vyasa: “Auch ich höre sie.”
K.: “Und was tust du dann?”
V.: “Abends schlafe ich ein und morgens wache ich auf. Ich warte.”

